Veranstaltungskalender Hamburg

REEPERBAHN FESTIVAL 2026

Konzerte
Clubkonzert

Line Up: Cory Hanson, Concrete Vehicle, Alice Costelloe, Little Granddad, Vienna Vienna, Maria Iskariot


Cory Hanson | 19:00 - 20:10 | Club


Ein bisschen bittersüße Einsamkeit, eine Prise hazy Nostalgie für die Folk-Poeten der Siebziger und einen endlosen Vorrat an herzzerreißenden Riffs bringt Cory Hanson mit, um das zeitgenössische Songwritertum seines kommerziellen Muffs zu entledigen. Mit welcher Selbstverständlichkeit ihm dies gelingt, muss selbst alteingesessenen Neil-Young-Ultras die Augenbrauen hochziehen. Zunächst einmal: die Einflüsse sind klar. Ein Doug Martsch schimmert hier ebenso durch wie die Grateful Dead, Blue Oyster Cult, Soundgarden oder Sonic Youth. Und trotzdem zeigt sich die Grundierung ganz klar am sehr alternativen Country Rock orientiert. Alben wie das Debüt „The Unborn Capitalist From Limbo“ (2016) oder das grandios eklektische „Western Cum“ (2023) fusionieren all das aber zu einem Stil, der von vorne bis hinten einfach nur funktioniert. Cory Hanson ist dabei nicht bloß ein virtuoser Grenzgänger der Americana, sondern zugleich ein kluger Zeitzeuge der US-amerikanischen Gegenwart mit all ihren Unwägbarkeiten, Umbrüchen und Untergangsszenarien. Das zeichnete ihn auch schon als Frontmann der Band Wand aus. Mit seinen Soloalben erweitert er über die letzten Jahre seine Qualitäten als Musiker und Poet aber auf eine disruptive Weise, die ihn aus dem Konformen herausstechen lässt wie einen Leuchtturm im Meer.


Concrete Vehicle | 20:05 - 20:50 | Top Ten Bar


Unvorhergesehene Twists und Turns, eklektische Extensionen von Hardcore und Noise Rock, Zeitsignaturen wie aus einem Sudoku-Rätsel: Concrete Vehicles haben alle Karten im Ärmel, um zur gottverdammten Kultband zu avancieren. Streng genommen gelingt es dem siebenköpfigen Projekt innerhalb nur eines Jahres, die gesamte Untergrundszene Vancouvers in nackte Verzückung zu versetzen. Experimenteller Rock und Post-Punk, rhythmisch komplexer Jazz-Rock und die genussvolle Auflösung klassischer Songstrukturen vereint das Debütalbum „Station On The Hill“ (2025) wie die Bedingungen für eine kathartische Grenzerfahrung, die das Leben in davor und danach einteilt. Im UK gibt es daran jedenfalls keine Zweifel mehr. Sicher, die Inspirationen von Black Midi bis Black Country, New Road und der Windmill-Szene schreiben sich quasi von selbst. Aber Concrete Vehicles haben begriffen, dass es hier nicht um ein weiteres Post-Punk-Revival, sondern um die fast schon zappa'eske Dekonstruktion von Hardcore, Fusion und Gitarrenmusik insgesamt geht. Eine neue Dramatik, ein unverbrauchter Schneid ist hier in allen Songs präsent. Jeder Stilbruch ein schreiender Triumph, jede Liveshow jetzt schon legendär. Wer das verpasst, ist selbst schuld.


Alice Costelloe | 21:00 - 21:40 | Club


Das zutiefst Persönliche trifft bei Alice Costelloe auf das universell Gültige, der Song-gewordene Tagebucheintrag auf die zurückhaltende Instrumentierung einer unabhängigen Bedroom-Producerin mit Feingefühl. Die britische Singer-Songwriterin tritt bis vor wenigen Jahren primär als eine Hälfte der Dream-Pop-Kombo Big Deal in Erscheinung, macht sich abseits davon aber ab 2022 auch mit Solo-Produktionen einen Namen. Zunächst nur unter Kennern der britischen Indie-Szene, mit EPs wie „So Neurotic“ (2023) oder „When It's The Time“ (2024) dann aber auch schrittweise in anderen Kreisen, in denen ihr träumerischer Art Pop Vergleiche mit Cate Le Bon oder Hannah Cameron hervorruft. Ähnlichkeiten sind zwar kaum zu leugnen, doch ist die Musik von Costelloe introspektiver, von einem gewissen Understatement geprägt, das ihre Songs emotionaler und irgendwie auch nostalgischer geraten lässt. Auf dem Debütalbum „Move On With The Year“ (2026) behandelt sie die schwierige Beziehung zu einem entfremdeten Elternteil, mit allen emotionalen Unwägbarkeiten, die dazu gehören. Dennoch findet sie eine ruhige, ja geradezu entspannte Weise auch mit diesem Themenbereich in Liedform umzugehen – und dabei Kraft zu spenden. Ein Talent, das ihre Qualitäten als junge, offenherzige Songwriterin demonstriert und Vorfreude auf ihren Gig bei uns weckt.


Little Granddad | 21:50 - 22:40 | Top Ten Bar


Auch wenn sie in der Londoner Clubszene rund um das legendäre Venue The Windmill zu Beginn dieses Jahres viele neue Fans gewinnen können, sind Little Grandad hierzulande quasi unbekannt. Dass sie erst vergangenen Sommer überhaupt online in Erscheinung treten, ist dabei Nebensache. Dem britischen Vierer gelingen nämlich schon jetzt roughe, aber nicht minder melodische Indie-Ohrwürmer feinster Auslese, all inclusive mit mehrstimmigen Vocals, geladenen Powerchords und krossen Drums. Aufgewachsen mit den Granden aus Americana und Alt-Country, weiß die Band aber auch Einflüsse von Roots Rock im Stile von The Band bis zu grobkörnigem 90s-Indie mit Sehnsuchtsfaktor in ihren Sound zu integrieren. Der kann dementsprechend amtlich grooven wie bei „Middle Seat Of The Car“ oder dem Bob-Dylan-Cover „You're A Big Girl Now“, ein paar Songs später aber auch schroff balladesk daherkommen wie etwa in „Show Me How To Feel“. All jene Glücklichen, die einem Gig der Jungs bei ihrer UK-Tour im Januar und Februar schon einmal beiwohnen durften, wissen online nur Gutes zu berichten. Nun kommen sie im September direkt zu uns nach Hamburg.


Vienna Vienna | 22:35 - 23:20 | Club


Auf der Suche nach kathartischen Momenten mit seinem Publikum, bricht Vienna Vienna aus sozialen und kulturellen Strukturen aus und entwirft dabei Musik, die zugleich authentische Verletzlichkeit und konsequente Selbstverwirklichung ist. Aufgewachsen in Fresno, Kalifornien, findet der quirlige Singer-Songwriter früh einen sicheren Raum in seiner Kirchengemeinde, der er viel seiner persönlichen Zeit schenkt. Hier wird nicht nur gebetet, sondern zusammen gesungen, gefeiert und gelacht, mit Hilfsbereitschaft in jedem Lächeln. Es sind diese Erlebnisse von Gemeinschaft und gegenseitigem Support, die er seit Jahren auch in seinen Songs und mit seinen Fans beschwören will – sowohl unterm Kopfhörer als auch auf der Bühne. Ganz gleich ob die positive Power im Power Pop von „Vienna (Everything's Fine)“ Gänsehaut bereitet oder der politisch provokante Glimmer-Rock eines „God Save The Queens“ (2025) zum Nachdenken anregt – Vienna Vienna verfolgt angstfrei und leidenschaftlich eine eigene künstlerische Vision zwischen hymnischem Indie, Post-Punk-Revival, Pop-Appeal und New Wave mit queerer Quirkyness. Nun erschien mit „Entertain Me“ (2026) seine mittlerweile zweite EP, die er für seine Reeperbahn-Premiere ebenso dabei hat, wie einen Schimmer von Hoffnung in diesen unwirtlichen Zeiten.


Maria Iskariot | 23:40 - 00:25 | Top Ten Bar


Mehr als 180 Shows in zwei Jahren, Praises von Billie Eilishs Vater bis Producer-Genius Justin Raisen und ein leidenschaftlich abgefuckter, völlig eigener Punk-Style – was Maria Iskariot über die letzten drei Jahre einfach mal so aus dem Stegreif umgesetzt haben, spottet jedem noch so blumigen PR-Sprech. Der Vierer aus Gent zockt sich mit gottloser Energie durch die Dramatik eines „Dat Vind Ik Lekker“ oder stampfende Halftime-Trümmer á la „Wereldwaan“, beherrscht aber auch schrullige Folknummern mit kammerorchestralem Anstrich wie „Niets Gaat Verloren“ scheinbar aus dem Effeff. So haben Maria Iskariot das eigene Sounddesign jetzt schon mit beachtlicher Ausdrucksstärke realisiert. Nichts ist hier zu viel, nichts zu wenig, alles dreckig und raw, aber trotzdem präzise produziert. Zwischen Dualitäten und Distortions zerrissen, sollte moderner, durchtrainierter, ungeschliffener Punk-Rock vielleicht genau so klingen. Das Debütalbum „Wereldwaan“ (2025) wird daher nicht ganz zu Unrecht und nicht nur in Belgien schon als instant classic gehandelt – die Konzerte einstimmig mit Legendenstatus bedacht. Wer das nicht glauben mag, lässt sich im September in Hamburg eines Besseren belehren.


Sex Mask | 00:05 - 01:05 | Club


Sowohl als arrivierte Punk-Reformer wie auch als irrer Live-Act haben Sex Mask über die letzten drei Jahre hinweg kontinuierlich ihre Credentials aufgebaut. Down Under zockt sich das Trio aus Melbourne mit Tracks vom Kaliber „How To Be Cool At Parties“ oder „Birds“ (2023) durch sämtliche Radiostationen und positioniert sich zielsicher in hochfrequentierten Playlisten mit Tags wie Post-Punk, Industrial, Goth oder Noise Rock. Zwar treffen all diese Begriffe den Sex-Mask-Sound nicht ganz von oben, doch sind die Einflüsse mindestens so vielseitig wie angepriesen. Gerne von grobkörnigen Distortions grundiert, sickern hier kühl groovende Synths und Gitarren in ein Rhythmusfundament, das in jeder Geschwindigkeit funktioniert. Teilweise taoistisches Rätsel, dann wieder Manifest für Außenseiter, im nächsten Moment jungianische Relfexion über das Unbewusste, sind auch die Lyrics von Sänger Ry Gray ein Amalgam von Inspirationen. Sowohl auf der musikalischen als auch der lyrischen Ebene etabliert das stilsichere Trio quasi aus dem Stegreif einen ureigenen Dance-Punk-Sound, für den sie vom SXSW in Sydney bis zum britischen Great Escape Festival schon gefeiert wurden. Wer die manisch krachenden EPs „No Love“ und „Body Broker“ (2025) hört, kapiert sofort was Phase ist. Nachdem sie letztes Jahr leider kurzfristig absagen mussten, kommt jetzt endlich ihre Premiere bei uns. Bitte anschnallen.

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