Veranstaltungskalender Hamburg

REEPERBAHN FESTIVAL 2026

Konzerte
Clubkonzert

Line Up: Tom A. Smith, miaw, BLVTH, She Her Her Hers, Keo, Glazyhaze, GANS


Tom A. Smith | 19:00 - 19:45 | Club


Während andere mit Erreichen der Volljährigkeit erst mal schauen, dass sie Führerschein und eigene Wohnung irgendwie gestemmt kriegen, droppt Tom A. Smith nicht eine, nicht zwei, sondern gleich drei EPs im selben Jahr. 2022 war das. Seitdem ist für den Singer-Songwriter kein Karrieregipfel zu hoch, keine Stage zu groß, um nicht mit lässiger Verve erklommen zu werden. Das unbeirrbare Selbstbewusstsein eines Weltstars in der Stimme, den Groove altehrwürdiger Britpop-Granden im Blut und ganz offenbar eine Tankerladung Ideen im Kopf, macht Smith mit seinen 22 Jahren eine maximal unverschämt beeindruckende Figur – sowohl künstlerisch als auch visuell und medial. In seiner britischen Heimat ist er auch deshalb seit Jahren eine der ganz großen Gestalten im Indie-Sektor und kann von sich behaupten, bislang eine nahezu makellose Diskografie an den Start gebracht zu haben. Von der diesjährigen UK-Tour waren folgerichtig innerhalb weniger Tage keine Tickets mehr übrig, während die neue EP „Say What You Want“ (2025) das Credo des Künstlers auf den Punkt bringt: egal was wer denkt, ich ziehe mein Ding durch. Aber bitte doch.


miaw | 19:30 - 20:15 | Top Ten Bar


An einer bislang noch unbekannten Schnittstelle von präzisen Breakbeats, Shoegaze anno 1993 und kühl glasierten Autotune-Vocals haben Frederik Bruun und Liza Dries ihren unverwechselbaren Cross-Pop geschliffen, verfeinert, etabliert. Und das nun gerade einmal seit etwas mehr als zwei Jahren. Geformt aus dem digitalen Ton dieser Tage, dem Lebensgefühl ihrer Generation, nutzt das dänisch-niederländische Duo als miaw unorthodoxe Sampling-Techniken, Synth-Arpeggios und ein sphärisches Produktionsdesign für Clubmusik, die an Sega Bodega oder Pink Pantheress erinnert. Tracks wie „ATT“ oder „hello hello“ (2024) spannen sich dabei wie ein berauschender Traum vor dem dritten Auge auf und lassen im Anschluss nichts anderes zu als bis in die Erschöpfung hinein zu tanzen. Körperlichkeit und post-digitale Spiritualität schmelzen hier ineinander. Die Debüt-EP „My Petswan“ (2024) erhielt sowohl begeisterte Kritiken in Musik-Publikationen von GAFFA über Soundvenue bis zum BPM Magazine als auch diverse Airplays bei 1Live oder BBC6. Ein Sound, der im Loop zwischen Peaktime-Banger, sediertem Remix und sofort ins Ohr fließendem Pop-Song entsteht. Optimal für ihren ersten Gig bei uns in Hamburg.


BLVTH | 20:45 - 21:40 | Club


Aus dem Schlafzimmer-Studio raus in die Welt – BLVTH hat geschafft, wovon andere aufhören zu träumen. Mit stabilem Ehrgeiz und dem Skillset eines umtriebigen Producers ohne Allüren schraubt der Berliner schon seit einigen Jahren zeitgeistige Sounds zwischen Trap, Techno, Rap und synthetischen Crossovers zusammen. Eine grundlegende Lektion dieses Sounds hat er dabei von Beginn an verinnerlicht: Eingängigkeit ist Komplexität ohne Schnickschnack. So triefen Tracks wie das blau schimmernde „Disarray“ (2018) oder die Anti-Hit-Single „Shit To Say“ (2021) vor Feeling für Hooks und Effekte, für die richtigen Klangfarben im richtigen Moment, während im Rückspiegel die 90er vorbeiflimmern. Fast schon logisch, dass seiner Feder auch Top-Produktionen von Casper, Marteria, Azuhmjot oder K.Flay entstammen. Auf dem Album „Yin Yang“ (2024) demonstriert er nach einer Vielzahl hochkarätiger Features in jüngster Zeit, dass er sich als Solokünstler kontinuierlich in diverse Richtungen weiterentwickelt. Über die Jahre hat er uns schon einige Male besucht und dabei stets sein Publikum mit großen Augen zurückgelassen. Mit neuem Songmaterial und frischer Energie folgt 2026 nun das obligatorische Nachspiel. Keinesfalls verpassen.


She Her Her Hers | 21:15 - 22:15 | Top Ten Bar


Seit Jahren sind sie eine unbestrittene Sensation im japanischen Musikgeschäft und werden mit Lobeshymnen im Wochentakt bedacht: She Her Her Hers haben zwischen Chillwave und Shoegaze einen völlig eigenen Style gefunden, der mittlerweile bis weit über die Grenzen Japans hinaus ein geradezu fanatisches Publikum gewinnen konnte. Schwelgerische Vocals im Falsett, brillant produzierte Beats und eine Palette träumerischer Klangfarben, die Gefühlstürme frisch Verliebter ebenso vertonen können wie die tiefe Sehnsucht nach jenen Zeiten, die nie wiederkommen – dieses Trio versteht es unverschämt gut, zu bezirzen und zu überzeugen. Auf Alben wie „Location“ (2019) oder „Pathway“ (2024) gibt es dementsprechend eine audiovisuelle Nostalgie-Dusche nach der anderen, aus der ohnehin niemand so schnell aussteigen mag. Dieser Signature Sound ist über Jahre gewachsen und wurde sorgsam im Studio ebenso wie auf der Bühne raffiniert. Romantische Wave-Träumereien flirten da mit City Pop im Synth-Glitter, der funky Flashback für Zeitreisende trifft auf futuristisch anmutende Ambient-Flächen - ein Klangbild, das inzwischen von China über Thailand bis Südkorea Kultcharakter gewonnen hat.


Keo | 22:40 - 23:25 | Club


Manchmal landet der Sound einer Band ohne Umwege zwischen Magengrube und Herz einen Volltreffer nach dem anderen. Im besten Fall schnappen wir dann nach Luft, wollen die Begeisterung einfangen und halten. Schon mit ihrer ersten EP „Siren“ (2025) realisieren Keo Lieder, welche zwischen melodischer Schönheit und diesem dramatischen Momentum der Erlösung jene Gefühle unverhoffter Ergriffenheit heraufbeschwören. Jede Note, jeder Chorus, jede harmonische Entwicklung ist in Stücken wie „I Lied, Amber“ oder „Stolen Cars“ (2025) von purer Passion geformt und von dringender Sehnsucht vorgetragen. Sänger Finn Keogh schwingt dabei zwischen einer Reinkarnation des jungen Eddie Vedder und den hochemotionalen Vocals von Billy Corgan, nur anders. Irgendwie intimer und cineastischer zugleich. Nachdem sie in zahlreichen Venues im UK für feuchte Augen und entgeisterte Seelen gesorgt haben, von BBC Radio 1 über NME bis Rolling Stone sämtliche Feuilletons überzeugen konnten und als legitime Hoffnung im Post-Grunge-Sektor gehandelt werden, stehen sie dieses Jahr mit ihrer Zeitkapsel, dem Debütalbum „Put A Smile On For Me“ (2026), endlich auch bei uns auf der Bühne. Nicht verschlafen – hier seht ihr sie vor dem Hype.


Glazyhaze | 23:15 - 00:05 | Top Ten Bar


Nomen est omen, bei Glazyhaze mehr denn je. Das Quartett aus Venedig zockt eine seidenmatte Fusion aus Shoegaze, Post-Punk und nostalgischem Brit Pop mit ausgeprägtem Gespür für Melodien und emotionale Peaks. Schon erste Singles wie „A Glimpse Of Light“ (2023) oder „What A Feeling“ (2024) bescheren der Band begeisterte Kritiken von Fans und Feuilletons gleichermaßen. Parallel verträumt und doch köstlich gritty, darüber hinaus aber auch mit den Deadpan-Vocals von Sängerin Irene Moretuzzo ausgestattet, ist der Glazyhaze-Sound ein sinnliches Fest für Romantiker*innen und Schwärmer*innen, für frisch Verliebte ebenso wie für schmerzhaft Getrennte. Den üblichen Vergleichen mit Granden des Post-Punks entziehen sich die Vier durch ihre eigene Umdeutung klassischer Genre-Tropen. Düster und hoffnungsvoll zugleich, catchy und dennoch nie vorhersehbar, atmosphärisch aber auch unbedingt tanzbar haben sie ihr zweites Album stilecht „Sonic“ (2025) genannt und selbst den größten Naysayern die Socken ausgezogen. Wer es nicht glaubt, überzeugt sich im September bei uns selbst.


GANS | 00:20 - 01:00 | Club


Geboren aus dem desaströsen Niedergang ihrer Gesellschaft, ist der Sound von GANS zugleich subversiver Sozialkommentar und körperlich erregender Sound für ekstatisches Tanzen. Das Duo aus Birmingham schreddert noisy Hooks mit einer Energie über die Saiten, der sich nicht zu entziehen ist. Krachendes Schlagwerk und Basslines nebst amtlicher Distortion kollidieren hier mit Deadpan-Vocals und einer kompromisslosen Identität als Kunstprojekt ohne Kompromat. Kurzum: GANS sind und leben das, was viele Bands gerne wären und täten. Doch Konjunktive kommen bei Euan Woodman und Thomas Rhodes nicht in die Tüte. „Good For The Soul“ (2025) heißt dann auch passenderweise das letztes Jahr veröffentlichte Debütalbum der beiden, auf dem sie das jüngste Dance-Punk-Revival mit Noise Rock und industriellem Swagger fusionieren. Wie die feierliche Ablehnung des Status Quo tönen „Nightwalking“ oder „It's Just Life“ über einer Musiklandschaft, die auch im Alternative-Bereich zunehmend von polierten Retorten-Acts geprägt wird. Aber null Chance. Sowohl auf Platte als auch auf der Bühne regiert bei GANS Ehrlichkeit, Konfrontation und die unvergessliche Energie kathartischer Live-Shows. Keinesfalls verpassen.

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